Kinder machen Gymnastik nicht mit

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Vorgeschichte

Ich hatte eine neue Gruppe übernommen über die ich mich regelmäßig aufgeregt habe. Insbesondere bei der Gymnastik hatte ich mit "schöner" Regelmäßigkeit meine Ausraster, weil die Kinder sich vor den Übungen gedrückt haben. Bei jeder zweiten Übung gab es Einsprüche, Fragen nach dem Sinn und einfach Gemecker. Die Übungen wurden nur mit halber Kraft gemacht, früher beendet oder auch gern etwas später angefangen.

Übungen zur Auflockerung oder Abwechselung wurden hingenommen aber nicht wertgeschätzt.

Ich musste mir ernsthafte Sorgen über die Gesundheit der Kinder machen, da einige auf der Schwelle zu den M-Übungen standen und auch Salto A gelernt wurde, was ohne entsprechende Körperspannung und Kraft nicht nur zu schlechten Haltungsnoten sondern auch zu Schädigungen der Wirbelsäule führen kann.

Der Plan

Nach einem weiteren Ausraster meinerseits machte ich mir zu Hause einen Plan. Der sollte folgendes beinhalten:

  • Ich wollte mich nicht weiter aufregen müssen (Die Ausraster vermeiden)
  • Die Kinder sollten sich bei der Gymnastik anstrengen, auch wenn nicht jede Übung Spass machen kann.
  • Die Kinder sollten sich daran gewöhnen, dass Gymnastik "dazu gehört".
  • Die Kinder sollten bei og. Fehlverhalten Konsquenzen erfahren.
  • Falls möglich wollte ich Fragen zu den Übungen ermöglichen (sie sollen ja neugierig und interessiert sein), aber ich wollte nicht auf jede noch so überflüssige Frage eingehen müssen.

Die Konsequenzen, die die Kinder bei Fehlverhalten zu erwarten haben sind beim Trampolinturnen leicht gefunden: Die Springzeit wird eingeschränkt.

Meine Lösung

Ich machte mir zu Hause ein Minimal-Programm zur Gymnastik. Es musste für alles was ich als absolut unverzichtbar halte eine Übung vorhanden sein. Für mich waren das vor allem Kraftübungen, einige Dehnübungen und möglichst eine Übung für die Körperspannung. Das Programm probierte ich in zügiger Folge aus und passte es so an, das es in 10 Minuten zu bewältigen ist (heute würde ich vielleicht sogar eher 15 Minuten einplanen).

Beim nächsten Training erklärte ich den Kindern die Regeln. Ich zeigte ihnen den Zettel mit den Übungen und dass das Programm auf 10 Minuten ausgelegt sei. Das Programm würde ich komplett fertig machen, keine Übung auslassen oder kürzen.

Wenn jemand die Übung nicht richtig mitmacht, zu spät anfängt oder sich sonst irgendwie drückt wird die Übung von allen wiederholt. Begründung: Die Übung scheint ihr noch nicht gut genug zu können, also müssen wir sie üben.

Fragen zu den Übungen sind jederzeit erlaubt, aber die Übung wird auch dafür nicht unterbrochen oder gekürzt. Auch die Konsequenz wird nicht außer Kraft gesetzt. Alternative: Fragen müssen sich gemerkt werden und können nach der Gymnastik gestellt werden. Wenn sie dem Kind wichtig sind, wird es das tun.

Das Resultat

Die ersten Tage liefen natürlich schleppend. Viele Übungen mussten wiederholt werden, es gab weiterhin Zwischenfragen die nicht auf Interesse sondern auf Ablenkung schließen ließen. Auch das Durchsetzen der Konsequenz, alle müssen die Übung wiederholen, forderte Zeit weil auch darüber gemeckert und diskutiert wurde.

Ich musste mich aber nicht mehr aufregen, weil die Ansagen klar waren und die Konsequenzen bekannt. Ich überließ es der Entscheidung der Kinder ob sie 10 Minuten für die Gymnastik investieren wollen oder 50.

Innerhalb einer Woche hatte sich das Bild deutlich geändert. Jedes Kind (Ausnahmen gibt es immer noch, aber die anderen helfen inzwischen bei der Einhaltung der Regeln) bemüht sich die Gymnastik zügig und effektiv mitzumachen.

Quellen

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Erziehungsfragen/s_944.html
http://www.baby-zeit.de/themen/erziehung/regeln-und-grenzen.php
Rogge, Jan-Uwe: „Kinder brauchen Grenzen“, 1994[[1]]

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